Vorurteile in der dokumentarischen Fotografie

Unsere Wohnung ist doch viel zu klein, zu dunkel, zu unordentlich, zu bunt, …

 

Diese und viele andere Sätze begegnen mir immer wieder. Manche Familien entschuldigen sich tatsächlich bei mir dafür, dass sie es nicht mehr geschafft haben aufzuräumen oder durchzusaugen. Manche entschuldigen sich, dass ihr Wohnung leider zu klein sei oder zu dunkel. Andere entschuldigen sich dafür, dass es in ihrer Wohnung kaum Deko gibt. Andere entschuldigen sich, dass es in ihrer Wohnung viel zu bunt sei.

 

Bei einer meiner letzten Reportagen hieß es erst wieder „Unsere Wohnung ist leider sehr klein“. Ganz ehrlich? Ich fand die Wohnung total schön, gut geschnitten und das viele Holz überall war genau meins. 
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich solche Aussagen immer unfassbar schade finde.

Natürlich kommt es vor, dass man mit seiner Wohnung nicht immer zu 100% zufrieden ist. Vielleicht seid ihr gerade frisch umgezogen oder ihr zieht bald um und macht deshalb nicht mehr viel an der aktuellen Wohnung. Vielleicht fehlt euch auch einfach die Zeit. In meiner Wohnung gibt es auch Ecken, die mich stören, wofür mir einfach die Zeit fehlt. Mich nervt total dieser fürchterliche PVC-Boden, aber da wir aktuell zur Miete wohnen werde ich den so lassen. Manche Ecken unserer Wohnung sind schon fertig, andere stehen schon ewig auf meiner ToDo-Liste, aber ich komme ich einfach nicht dazu. Teilweise fehlt mir auch einfach die Energie dazu. Alles in allem mag ich aber unsere Wohnung und unseren Garten. Es ist unser zu Hause. Das muss nicht von heute auf morgen fertig sein. Sowas ist auch immer ein Prozess. Oft ändert sich das auch immer wieder, weil wir uns weiterentwickeln, weil sich unser Geschmack ändert oder vielleicht auch unsere Bedürfnisse.

 

Ich kann also gut nachvollziehen, wieso man seine Wohnung oder sein Haus als nicht gut genug empfindet.

Trotzdem ist es euer zu Hause. Ihr habt viel Mühe und Energie reingesteckt, euch Gedanken gemacht was wie eingerichtet wird, habt den Wänden Farbe gegeben, liebevoll die Regale bestückt, Möbel ausgewählt, die euch gefallen. 

 

Euer zu Hause ist genau so richtig wie es ist.

 

Wenn man das Chaos schüttelt, dann funkelt es so schön

Ich habe in den letzten Jahren einige Familien begleitet.

Die einen wohnen in einer Wohnung, die anderen in einem Haus. Die einen in einem sehr alten Gebäude, die anderen in einem Neubau. Die einen mögen es gerne rustikal mit viel Holz, die anderen lieber modern. Bei den einen war aus aufgeräumt wie im Katalog, bei den meisten gab es das ganz normale Alltagschaos. Die einen machen sich Sorgen, dass ihre Wohnung zu bunt sei, die anderen, weil gar nichts an den Wänden war.

 

Und soll ich euch was sagen? Bei all diesen Reportagen sind wunderschöne Fotos entstanden.

 

Bei uns ist es eigentlich nie aufgeräumt, außer wenn wir Besuch bekommen (und den Stress für Besuch aufzuräumen, zu putzen, perfekt sein zu wollen versuche ich mir mittlerweile abzugewöhnen.) Wir haben zwar keine Kinder, dafür aber Katzen und Kaninchen. Wo bei anderen Kinderspielzeug rumliegt sind es bei uns Bällchen, Futterbälle, Bändchen, Spielangeln und Co. (unser Kater liebt Kabelbinder und Drähtchen… die sind überall)


Auch wenn ich drei Mal am Tag durchsaugen würde hätten wir überall Tierhaare.
Auch wenn wir eine Spülmaschine haben stapelt sich das Geschirr oft genug auf der Küchenzeile. 
Ich hasse es Wäsche zu machen. Deshalb bleibt die Wäsche auch schon mal etwas länger auf dem Wäschestände, obwohl sie schon lange trocken wäre.

Ihr seht, ein bisschen Chaos ist total normal und auch ok. 

 

Wenn ihr euch also für eine Familienreportage entscheidet macht euch keine Gedanken um sowas. Solange ihr euch in eurem zu Hause wohl fühlt ist es genau so richtig wie es ist.

 

Ihr wollt mehr zu den Familienreportagen erfahren? Dann schaut mal hier vorbei.